Querwind 2018

 

Staufen, ein kleines mittelalterlich geprägtes Städtchen im Breisgau, wirbt damit, auf 100m 1000 Jahre Geschichte erlebbar zu machen. „Querwind“, die Querflötentage in Staufen, bedeutet in 4 Tagen 400 Jahre Musikgeschichte mit und auf der Flöte zu erfahren.

 

Und das geht so:

 

Man nehme zwei hochkarätige Musiker und Flötisten, die seit Jahrzehnten zusammen arbeiten und sich gut verstehen, in diesem Falle Rudolf Döbler und Robert Pot. Hinzu kommen international berühmte Flötisten/innen wie Peter Lukas Graf, Andrea Lieberknecht und Stephanie Winker. Ein Dozententeam wird aufgebaut, welches auf allen Ebenen, von Amateur bis Profi, sinnvoll arbeiten kann. Weiterhin wird die richtige „location“ benötigt, die die den Dozenten und Teilnehmern ein angenehmes und perfekt organisiertes Umfeld bietet, wie es die Musikakademie des Bundes Deutscher Blasmusikverbände (BDB) tut.

So ungefähr sehen die Zutaten für die Flötentage in Staufen aus, die seit 2017 Querwind heißen und mit diesem „Rezept“ nun schon in das 10. Jahr gehen.

 

Bereits im Vorfeld fiel das interessante Konzept der Angebote auf, welches das ganze vielfältige Spektrum von Flötistinnen und Flötisten ansprechen soll, von Schüler/in bis fortgeschrittenen Amateuren, von Studienanwärtern und Studierenden über Vereinsausbildern und Musikschullehrkräften zu anderen professionellen Spieler/innen.

Das Versprechen, diesen unterschiedlichsten Interessenten gerecht zu werden wird in der Tat auf inspirierendste Weise umgesetzt. Dazu gehören Meisterklassen, Kammermusik, Flötenorchester, Workshops, Vorträge, Podiumsgespräche, Instrumenten-ausstellung, Notenausstellung und vieles mehr.

Dabei spielt vor allem das „Miteinander“ und fast familiäre gemeinsame Wirken aller Anwesenden, wie es bereits bei der Begrüssung durch Akademiedirektor Christoph Karle zum Ausdruck kam, eine wichtige Rolle. Für die tolle Atmosphäre und das „Rundum-Sorglos Paket“ sorgten dabei auch sämtliche freundlichen Mitarbeiter/innen des Organisationsteams und das Küchenteam.

 

DONNERSTAG

Nach der Begrüssung durch Herrn Karle und Organisatoren Rudolf Döbler und Robert Pot ging es gleich los:

 

Die Meisterklassen wurden gestartet (es waren an den 4 Tagen ca. 80 (!) 30-minütige Unterrichtseinheiten) und die herausragenden Flötisten und Flötistinnen, die die Klassen abhielten, waren:

Peter Lukas Graf, Andrea Lieberknecht, Stephanie Winker, Robert Pot und Rudolf Döbler.

 

Das Flötenorchester unter der Leitung von Herbert Gramsch begann seine Probenarbeit, die eingeteilten Kammermusikensembles nahmen ihre Arbeit auf und wurden unterrichtet von Mirjam Lötscher, Agnes Haffner und Mathias Allin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Andrea Lieberknecht/Foto: R.Pot)

 

Die ersten Workshops wurden angeboten mit schönen Titeln wie „Dr. Flute“ (gemeinsame Problemlösung finden) oder „Bunte Gruppe“ (Klangfarben im Ensemble) aber auch über die Suzukimethode wurde informiert.

 

Der erste Nachmittag verging wie im Fluge und um 20 Uhr stand das Eröffnungskonzert auf dem Plan.

Der Geist von Claude Debussy (er ist vor 100 Jahren gestorben) schwebte über allen Konzerten und so präsentierten Rudolf Döbler, Robert Pot, Christoph Kieser, Christoph Haarmann und ein kleines Ensemble bestehend aus den Dozenten ein wunderbares, sehr kurzweiliges, mit musikalischen Überraschungen gespicktes Programm mit Werken von Claude Debussy, Michel Blavet, Otar Taktakishvili, Theo Smit-Sibinga und anderen. Das war schon mal fulminant und sehr überzeugend.

Aber nicht genug von allem. Um 22 Uhr (!) wurde dann noch die Noten und Instrumentenausstellung eröffnet. Instrumente von Yamaha, Powell, Harry Grosse und Jochen Mehnert konnten an diesem Abend und den ganzen nächsten Tag ausprobiert werden.

 

 

FREITAG

 

Um 8.30 Uhr ging es weiter mit Warming up für Alle mit Robert Pot, ein guter Einstieg in den Tag.

Die Ausstellung Noten und Instrumente lief weiter, die Kammermusikensembles arbeiteten im Verborgenen, das Flötenorchester probte sehr eifrig (bewundernswert diese Ausdauer und Begeisterung), die Meisterklassen starteten ab 9 Uhr.

 

 

 

 

(Robert Pot/Foto: R.Pot) 

 

 

 

Peter Lukas und Stephanie Winker begannen im Laufe des Tages ebenfalls mit ihrem Unterricht.

Eine Talkrunde über Flötenbau mit Harry Gosse und Workshops mit Titeln wie „Im Rausch der Tiefe“ (tiefe Flöten) und „Üben auf dem Sofa“ (Mentales Üben) rundeten das Tagespaket perfekt ab.

Der Höhepunkt des Tages: Das Meisterkonzert von Andrea Lieberknecht und Stephanie Winker.

Eine Konzertkritik wird hier nicht verfasst, nur soviel: es war ein grossartiges musikalisches Erlebnis, die ausgewählten Kompositionen zu hören. Dargebotenen mit dem Gestaltungswillen, der Hingabe, der Freude und dem Können der beiden Künstlerpersönlichkeiten war das sehr beeindruckend. Auch dieses Programm ging von Debussy aus. Andrea Lieberknecht spielte Werke von Andersen, Bach (mit Stephanie Winker) Debussy und Varèse. Stephanie Winker spielte Takemitsu und Prokofiev. Es war ein grosses Fest des Flötenspiels.

 

 

 

 

 

 

(Stephanie Winker/Foto: R.Pot) 

 

 

Ganz besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die drei außerordentlichen, auch ausserordentlich belasteten Pianisten/innen Barbara Anton-Kügler, Yoko Müller-Takahashi und Hagen Reisbach. Nicht nur, dass sie sämtliche Meisterklassen begleiteten, sondern auch in den Konzerten lieferten sie musikalische Höchstleistungen. Ohne sie wäre das Festival in dieser Form nicht möglich.

 

SAMSTAG

 

Man kommt am dritten Tag schon fast in eine Art „Festivaltrott“, was aber sehr positiv gemeint ist.

(Rudolf Döbler und Peter Lukas Graf im Gespräch/Foto: R.Pot)

 

Dieser Tag war, neben den „normalen“ Aktivitäten Meisterklassen und Workshops - z.B. „Grenzenlos spannend“ (Bühnenpräsenz) oder „Flötentuning“ - geprägt durch ein sehr humoriges Podiumsgespräch mit Peter Lukas Graf und Rudolf Döbler. Der 89-jährige Meister erzählte aus seinem Leben und man konnte hinabsteigen in die lange vergangene Flötengeschichte, wobei einem sehr bewusst wurde, wie das Wirken der Vorfahren von Generation zu Generation weitergegeben wird und bis heute seine Einfluss hat.

 

 

Tilmann Dehnhard traf in Staufen ein und er begeisterte mit seiner lockeren Art und seinem immensen Können.

Was er alles vermittelte: Flutebeatboxing, Soundpainting, Improvisation, Zirkularatmung.

Er musste in einem engen Zeitfenster sehr fleissig sein, bevor er sein 45-minütiges Improvisationskonzert auf der Kontrabassflöte, der Bassflöte und dem Piccolo, einem Wecker und einem knarzenden Stuhl einer jungen Konzertbesucherin, zum Besten gab.

Alle Zuhörer/innen waren begeistert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 (Tilmann Dehnhard/Foto: R.Pot)  

 

 

 

 

Am Abend hatte Maestro Peter Lukas Graf seinen Auftritt mit wundervoll musizierten Stücken von Händel, Lauber, Roussel, Fukushima und Gaubert. Der volle Orchestersaal der Akademie applaudierte stehend nicht nur für dieses Konzert, sondern auch für die Lebensleistung von Peter Lukas Graf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Peter Lukas Graf und Yoko Müller-Takahashi /Foto: R.Pot)

 

 

 

 

SONNTAG

Der Sonntag ist der Abreisetag und der Tag des Abschlusskonzertes. Ausgewählte Solisten aller Altersstufen sollten ihren Beitrag leisten, die Kammermusikensembles präsentierten, was sie erarbeitet hatten, das ca. 30-köpfige Flötenorchester musizierte. So entstand ein umfangreiches, repräsentatives und wundervolles Abschlusskonzert mit Stücken unter anderen von Loeillet, über Reicha, Boehm und Gaubert bis Piazzolla, Messiaen und Clark.

 

Bei der Verabschiedung lagen sich Menschen in den Armen, die sich drei Tage zuvor noch gar nicht gekannt haben.

Die Flötentage haben sie in der Musik zusammengebracht.

 

Es kann gar nicht anders sein: bestimmt haben Rudolf Döbler, Robert Pot und ihr Team ganz viele weitere Ideen für die 10. Querwind-Flötentage 2019 in Staufen. Es gibt unzählige Gründe vom 30. Mai-2. Juni 2019 nach Staufen zu kommen.