Beitragsseiten

 

 

Die Lehrer/innen sind im Leben jedes Musikers von herausragender Bedeutung und lebenslanger prägender Auswirkung auf die persönliche musikalische Entwicklung.

Als Lehrer verstehe ich mich als jemand, der in einer langen Tradition steht und das Wissen weitergibt, das ich selbst von meinen unterschiedlichsten Lehrern erhalten habe.

Obwohl die Begegnungen alle sehr lange zurückliegen, haben diese Menschen "Wissen" weitergegeben. "Wissen", das in mir ist und das ich jeden Tag bei mir habe.

Deshalb bin ich diesen Menschen sehr dankbar.

 

Meine wichtigen Lehrerpersönlichkeiten möchte ich hier (siehe rechts) vorstellen:


 


 

 

Kantor Hermann Schemmel

An den damaligen Kantor der evangelischen Kirchengemeinde in Gaggenau habe ich nur noch ganz wenig Erinnerung. In den frühen 70er Jahren hatte ich Blockflötenunterricht bei ihm und machte die ersten Erfahrungen bei Vorspielen und Konzerten auf der Sopran und Altblockflöte und bemerkte bald , dass mir das viel Spaß machte. Die schönen dunklen Töne der Altblockflöte hatten es mir angetan und ich liebte es, darauf zu spielen.


 


 

 

Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn

Er entzündete das Feuer!

An der im Jahr 1973 gegründeten Musikschule Gaggenau begegnete ich ihm vermutlich 1975 zum ersten Mal. Meine Mutter schenkte mir zu Weihnachten 1974 eine Querflöte (Kohlert popular, aus der damaligen Tschechoslowakei). Da hieß es einen Lehrer finden. An das erste Zusammentreffen bei der Vorstellung des Lehrers und Auswahl der Schüler erinnere ich mich, als sei es gestern gewesen. Ich wurde als "tauglich" befunden und begann dann im Alter von 12 Jahren das Querflötenspiel.

Bodensohn war der erste Solo-Flötist des nach dem 2. Weltkrieg gegründeten Sinfonieorchester des damaligen SWF in Baden-Baden. Er hatte diese Position ab 1948 bis Ende der 60-er Jahre inne. Gesundheitliche Probleme führten zur Aufgabe der Soloflötenstelle. Mehr Infos zu seinem Leben gibt es hier.

Ich lernte schnell bei ihm. Seine Begeisterung für die Musik war ansteckend. Viele musikalische Dinge wurden Opfer von langen Erzählungen aus der Vergangenheit, die durch seine Kriegserlebnisse bestimmt war. Nach sechs Jahren Unterricht erhielt ich im Jahr 1981 ein Zeugnis der Musikschule Gaggenau und meine Lehrzeit war beendet. Ich erhielt die Möglichkeit, noch zu Abiturszeiten, selbst an der Musikschule Unterricht zu erteilen. An meine drei ersten Schüler/innen erinnere ich mich noch gut. Es sollten bis heute viele hunderte werden. Das habe ich meinem Meister Bodensohn zu verdanken. Und noch etwas: Zum Abschluss an der Musikschule schenkte er mir ein Konzert in seiner Konzertreihe "Festliche Serenade Schloß Favorite". Ich spielte im August  1981 u.a. das Concerto D-Dur "pour Potsdam" von Johann Joachim Quantz. Seit diesem Tag bin ich der Flötist des Quantz-Collegium, das Ensemble das Bodensohn gegründet hat. Ich habe diese Konzertreihe später auch von ihm geerbt.

Was soll ich schreiben? Diesem Mann habe ich sehr sehr viel zu verdanken!!


 


 

 

Hanns Wurz

Nach dem Abitur stellte sich die Frage: was nun? Konzertbesuche (SWF in Baden-Baden , Konzertbesuche in Karlsruhe) führten dazu, dass sich die Welt öffnete. Ich musste herausfinden, wo studieren? Ich fand Hanns Wurz in Baden-Baden, da ein Freund von mir (auch Bodensohn Schüler) bei ihm Unterricht hatte. Nur ein Jahr war ich bei ihm. Eine ganz neue Art des Lernens erlebte ich und es war für mich ganz wunderbar. Methodisch geschult, wie er als Methodik-Dozent an der Musikhochschule Karlsruhe und späterer Verfasser der "Querflötenkunde" war, war er von mir so begeistert, wie ich von ihm. Das war sehr produktiv. Es gab aber auch viele Mängel aufzuholen. Mit dem erarbeitetem Programm, das eine Händel Sonate, Mozart Konzert G-Dur und die Hindemith Sonate beinhaltete, ging ich zu den Aufnahmeprüfungen.


 


 

 

Prof. Gabriele Zimmermann

Aufnahmeprüfungen machte ich an den Musikhochschulen Mannheim, Karlsruhe und Trossingen. An der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen begann 1983 mein Diplom-Musiklehrer Studium bei Prof. Gabriele Zimmermann. Ich hatte es nicht leicht bei ihr: Gefördert und gestärkt hat Sie mich aus damaliger Sicht zunächst nicht. Rückblickend aber hat Sie mich doch ganz schön unterstützt. Zielstrebigkeit und Disziplin sind durchaus Werte, die sehr stark auf der Tagesordnung standen. Ich habe so viel Flöte geübt!!!!  Dazu hatte man in der kleinen Stadt sehr viel Zeit. Und später in meiner Trossinger WG war es ein tolles Studium geworden.

Sie hat mir meine Mehnert-Flöte empfohlen, die ich bis heute spiele. Ich hatte eine sehr gute Methodikausbildung mit Lehrproben, an die ich bis heute jeden Tag denke. Auch wenn die Zeit mit Prof. Gabriele Zimmermann nicht immer sehr einfach war: Sie hat doch viel Gutes bei mir hinterlassen. Als im Jahr 1985 klar wurde, dass sie pensioniert wird, kam interimsweise Heinrich Keller aus Winterthur zur Vertretung.


 


 

 

Heinrich Keller

Als Solo-Flötist des Winterthurer Stadtorchesters und Lehrer an der dortigen Musikhochschule hatte er einen ganz anderen musikalischen und intellektuellen Hintergrund...

Er erlöste mich von einer gewissen bleiernen Zeit und gab mir sehr viel Selbstvertrauen. Er zeigte mir meine Schwächen und Stärken. Es war plötzlich so, als öffnete er ein Fenster: ein Fenster hin zur Musik. Das war ein tolles Semester. So toll, dass ich ihn später in Winterthur an der Hochschule und im Orchester besuchte und überlegte, ob ich da nicht weiter studieren könne. Habe ich dann nicht getan.

Dieser Mann tat mir so gut!

Jahrzehnte später, im Jahr 2011, habe ich wieder Kontakt zu ihm gesucht  (Dank Internet!) und er hat mir sein Quartett "Puzzle" zukommen lassen. Das Werk wurde dann mit Schülerinnen bei der Flötensoirée der Musikschule Gaggenau aufgeführt.


 


 

Prof. Arife Gülsen Tatu

Die Flötenprofessur in Trossingen war ausgeschrieben und es bewarben sich zahlreiche Flötist/Innen. Darunter auch Heinrich Keller und Arife Gülsen Tatu. In einem unglaublichen energiegeladenen Probespiel gewann Gülsen Tatu die Stelle und so wurde ich Student dieser fantastischen Flötistin. In den zwei Semestern die mir noch blieben, führte Sie mich zu einem guten Abschluss im Jahr 1987 und beeindruckte enorm durch ihr Flötenspiel. Durch Sie wurde es möglich, dass ich für einen Kammermusikurs in Schweden ausgesucht wurde und so ging es 1987 zum ersten Mal nach Sveg, wo man auf tolle Lehrer traf und die Vielfalt der Kammermusik entdecken konnte.

 


 


 

In Sveg also sammelte ich erste Kurserfahrungen. Ich war nochmals 1989 und 1991 da. Man traf auf Professoren aus ganz Europa. Das war super interessant. Da ich sofort nach Beendigung des Studiums eine hauptamtliche Stelle an der Schule für Musik und darstellende Kunst angeboten bekam, war die Ausbildungszeit beendet. Aber parallel dazu war ich doch sehr auf weitere Inspiration erpicht. Ich begann Meisterkurse als aktiver Teilnehmer zu besuchen. Und das begann mit einem Aufenthalt in der Schweiz, den man als historisch bezeichnen könnte.

Es war nämlich ein Kurs im Sommer 1988 in Obersaxen an dem André Jaunet als Lehrer wirkte. Diese sommerlichen Tage in der Schweiz kommen mir rückblickend wie Wochen vor. Diesem legendärem Lehrer in einer kleinen Schweizer Dorfschule gegenüber zu stehen, in seine Augen zu schauen und von ihm "gelehrt" zu werden, war sehr prägend. Als ich ihm den ersten Satz der Bachschen a-moll Partita vorgespielt hatte, war es still, sehr still im Raum! und dann sagte er: "So romantisch habe ich das noch nie gehört". Gelächter bei den Zuhörern. Und dann hat er es mir erklärt und ich verstand. Dass dieser intensive Mensch, einer der bedeutendsten Flötenlehrer des 20. Jahrhunderts, ein halbes Jahr später sterben sollte, war für uns Kursteilnehmer in diesem Schweizer Sommer nicht zu ahnen.

Robert Aitken fand ich einen tollen Flötisten, habe ihn auf Platten und in Konzerten gehört und als er 1989 einen Kurs in Erlangen hielt, war ich dabei. Das gab tolle Anregungen, Ideen und Inspiration inklusive eines unvergessenen Marcel Moyse Abends zu dessen 100. Geburtstag am 17. Mai 1989. Nach Jahrzehnten habe ich Robert Aitken dann wieder 2013 auf dem Flötenfestival in Freiburg gehört und in München 2017 gesprochen.

Robert Dick war unglaublich beeindruckend und prägte, wie Aitken meine Begeisterung für die "Moderne". Zweimal war ich in Ettlingen auf seinem Meisterkurs, habe Stücke von ihm gespielt und "Voice" von Takemitsu mit ihm gearbeitet. Sein immenses Können und seine Vermittlung haben seine Nachwirkung bis heute behalten.

Michael Helasuovo hat mir auch sehr viel geholfen. Mit ihm habe ich vor allem die Flöten/Gitarrenliteratur studiert und es war eine Freude mit ihm lernen zu dürfen.

Eckart Haupt bin ich kurz nach der Wende im Jahr 1991 in Michaelsstein begegnet. Beim Meisterkurs mit dem Thema  "Bach und seine Söhne" habe ich sehr viel von diesem einzigartigen Flötisten gelernt. Eine sehr tiefe Erfahrung.